Görlitz, wir kommen – Bewegung Autonomes Schlesien!

The Schönhof, the oldest Renaissance building ...

Image via Wikipedia

Görlitz, wir kommen – Bewegung Autonomes Schlesien! Andreas Teichert

Quelle: Rede des Fraktionsvorsitzenden zur Vorlage Synagoge 31.03.2010

“In dieser von unserer Fraktion eingebrachten Beschlussvorlage geht es um einen Nutzungsvertrag für eine städtische Immobilie. Das ist eigentlich eine Angelegenheit der laufenden Verwaltung. Der Stadtrat müsste sich damit nicht befassen. In diesem Falle geht es jedoch nicht um irgendeine Immobilie, sondern um einen Synagogenbau, um eine der ganz wenigen Synagogen in Deutschland, die den Wahn des Nationalsozialismus überstanden haben.
Jahrzehnte lang gab es kein ausreichendes Bewusstsein in Görlitz dafür, dass die Stadt als Eigentümerin, aber auch und vor allem wir Bürger eine Verantwortung im Umgang mit der Synagoge haben. Als Kulissenlager und Probenraum diente die Synagoge einem guten Zweck, aber keinem angemessenen.
Nach 1990 begann ein neuer Prozess.
Die Sanierung schritt voran und die große Vision von einem Europäischen Bildungs- und Informationszentrum wurde geboren.
Worüber wir heute reden würden, wenn diese Vision Realität geworden wäre, wissen wir nicht. Die Synagoge als „bespielbare Baustelle“ war schließlich auch nur eine Vision, die nicht realisiert werden konnte. Nun steht der Bau seit zweieinhalb Jahren wieder für Nutzungen offen.
Von Visionen ist keine Rede mehr, nicht einmal über ein Nutzungskonzept verfügen wir als Stadt, das der Geschichte der Synagoge Rechnung trägt.
Immerhin – das möchte ich auf jeden Fall hervorheben – immerhin besteht Einvernehmen darüber, dass nicht alles Beliebige in dem Synagogenbau stattfinden soll.
Das ist wenigstens etwas. Und vielleicht ist es auch gut so, dass nicht die Verwaltung das Thema verhandelt.
Schließlich kann nur aus der Stadtgesellschaft, den Bürgerinnen und Bürgern wie auch von Freunden der Stadt, ein Impuls kommen, der nachhaltig und lebendig trägt.
Genau das ist das Anliegen, das der Förderkreis Görlitzer Synagoge an die Stadt herangetragen hat.
Nach intensivem und teilweise schwierigem Ringen über den richtigen Umgang mit der Synagoge hat der Verein seit zwei Jahren eine sehr gute Entwicklung genommen und 2010 zum ersten Mal mit einem vielfältigen und konzeptionell ausgewogenen Veranstaltungs¬programm gezeigt, wie die Synagoge wieder einen angemessenen Platz in Görlitz einnehmen kann.
Der Verein will die Synagoge zu den ganz normalen Konditionen nutzen. In dieser Beziehung enthält die Nutzungsvereinbarung nichts Ungewöhnliches.
Es sind zwei andere Besonderheiten, zu denen der Stadtrat Ja sagen sollte.
Das Erste ist die ideelle Betreiberschaft für die Synagoge.
Der Verein will es – erst einmal für einen klar abgegrenzten Zeitraum von etwa einem halben Jahr – übernehmen, Veranstaltungsanfragen daraufhin zu prüfen, ob sie in sein Veranstaltungskonzept passen oder nicht.
Auf diese Weise soll ein Dialog mit potentiellen Nutzern und ein Profil für den Veranstaltungsort Synagoge entstehen. Den möglichen Einwand, die Stadt dürfe, könne oder solle die Entscheidung, was in der Synagoge stattfindet, nicht aus der Hand geben, kann ich umfassend entkräften.
Die Vereinbarung sieht vor, dass die Stadt in jedem Falle das letzte Wort haben wird, wenn es sich als erforderlich erweist. Der Vorteil für die Stadt ist dennoch, dass sich ein ehrenamtlich engagierter Kreis von Bürgern bei jeder Veranstaltung intensiv mit der Frage auseinandersetzt, welchen Platz die Synagoge zukünftig in unserer Stadt haben soll.
Das kann die Verwaltung im Alltagsgeschäft gar nicht leisten und – mit Verlaub -, das sollte sie auch nicht. Wir sollten dem Förderkreis für seine Unterstützung und sein Engagement vielmehr dankbar sein.
Der zweite Punkt ist die Einrichtung eines Gebets- und Gedenkraumes in der ehemaligen Wochentagssynagoge.
Das Thema ist in den vergangenen Jahren stark an der Realität vorbei diskutiert worden. Wir wissen es alle: Es gibt gegenwärtig keine jüdische Gemeinschaft in Görlitz und Umgebung, die groß genug wäre, eine Gemeinde zu bilden. Wir wissen, warum das so ist und wir sollten gerade deshalb schon im Ansatz darauf Acht geben, das wir die geringe Anzahl bekennender Juden in unserer Region nicht zum zynischen Argument gegen den Bedarf eines Gebetsraumes gebrauchen.
Lassen Sie uns vielmehr festhalten: Es gibt Menschen jüdischen Glaubens als Bürger und regelmäßig auch als Gäste in unserem Gemeinwesen, die sich einen Ort des Gebets wünschen. In jeder anderen Stadt, in der eine ehemalige Synagoge zerstört wurde, stellt sich die Frage nach einem solchen Ort des jüdischen Gebets anders als bei uns hier in Görlitz.
Wir haben einen prädestinierten Ort dafür. Wir haben eine der wenigen in Deutschland erhaltenen Synagogen.
Wir sollten uns viel mehr darüber freuen, das dies so ist, als wir es bislang tun und ein Zeichen aussenden weit über die Grenzen unserer engeren Region hinweg, indem wir einen Ort des Gebets für Menschen jüdischen Glaubens zulassen, der dafür geschaffen wurde. Gerade deshalb, weil unsere Synagoge als eine der wenigen überhaupt erhalten geblieben ist, sollten wir mit einer solchen Zeichensetzung ein Stück repräsentativer Verantwortung übernehmen und damit ein Stück weit über den Tellerrand der Provinz hinausschauen.”

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